Kurt Beyer - Der Leichtmotorrad-Hersteller aus Krumhermersdorf

Kurt Beyer (1900 - 1971)
Kurt Beyer (1900 - 1971)

Geboren wurde Carl Kurt Beyer am 8. August 1900 in der Bornwaldstrasse 4 (alte Hausnummer) in Krumhermersdorf. Heute ist es die Bornwaldstraße 8.

Mit den Eltern Augustine Wilhelmine, geb. Taube und Ernst Moritz Beyer (Beruf Maurer) und seinen 6 Geschwistern Clara Louise, Paul Arno, Minna Alma, Willi, Max und Marta wohnte er zwischen 1900 und 1907 in Krumhermersdorf und später in Hohndorf.

Kurt Beyer absolvierte 1907-1915 die Schule in Hohndorf und wurde 1915 in Großolbersdorf konfirmiert.

Ab April 1915 bis März 1918 absolvierte er die Ausbildung als Werkzeugschlosser an der Gewerbeschule Zschopau bei der aufblühenden Zschopauer Maschinenfabrik J. S. Rasmussen. Diese Fabrik erlangte ab 1920 Weltruf durch ihren Fahrrad Hilfsmotor „Des Knaben Wunsch“. Die erfolgreiche Fertigung in großer Stückzahl, führte schon früh dazu, dass DKW die größte Motorenfabrik und später die größte Motorradfabrik der Welt wurde.

1918 bekam Kurt Beyer den Gesellenbrief bei der Zschopauer Maschinenfabrik J. S. Rasmussen und arbeitete bis 1921 als Motorenschlosser in deren Reparaturabteilung. Im selben Jahr wurde sein Arbeitsvertrag wegen Materialmangels im Werk aufgelöst.

Daraufhin meldete er eine Fahrradreparaturwerkstatt in Zschopau an. Der 21-jährige wohnte jetzt in der Chemnitzer Gasse 26. 

 

Kurt Beyer (rechts) in Zschopau
Kurt Beyer (rechts) in Zschopau
Arbeitszeugnis von Rasmussen 1921
Arbeitszeugnis von Rasmussen 1921
Wohnhaus Hohndorf 174B
Wohnhaus Hohndorf 174B

Schon zu dieser Zeit fuhr Kurt Motorradrennen auf DKW als Privatfahrer, vermutlich mit dem DKW „Arschwärmer“ (Fahrrad mit Hilfsmotor). Am 14. August 1921 belegte er den 3. Platz beim Motorradrennen des ADAC in Hittfeld (Klasse Fahrzeuge mit Hilfsmotor). 

Kurz danach siedelte Beyer nach Bologna in Italien um. Von September 1921 bis Mai 1922 hatte er eine Anstellung bei Alfeo Rodolfi (Abra), einem Leichtmotorradhersteller in Bologna. Dieser verwendetet wie viele andere Hersteller zu der Zeit auch die sehr zuverlässigen DKW-Motoren mit 1 - 3,5 PS, welche aus Zschopau importiert wurden. Hauptimporteur von DKW-Motoren in Italien war Bruno Cavanni. Schon 1921 wurden Tausende Motoren von Zschopau nach Italien exportiert. Vermutlich aus diesem Grund wählte Kurt Beyer die Umsiedlung nach Bologna. Hier konnte er sein im Werk erlerntes Wissen anwenden. Auch in Italien fuhr er Rennen und belegte den ersten Platz am 2. April 1922 beim Rennen "Circut Di Brescia" (mit 49,45 km/h) vermutlich mit einem 118 ccm DKW-Motor auf dem Fahrrad.

Im August 1922 kehrte er nach Zschopau zurück und fand wieder eine Anstellung bei den Zschopauer Motorenwerken Rasmussen in der Abteilung „Endmontage“.

Schon im Februar 1923 erhielt er eine Empfehlung von Bruno Cavanni (Generalimporteur für DKW Erzeugnisse für Italien) zur Anstellung bei dem Motorrad Hersteller L. Moglia & Co. mit Sitz in Mailand. Worauf er schon wieder Mitte1923 nach Mailand in Italien umsiedelte.

 

Arbeitsvertrag F.I.A.M. 1924
Arbeitsvertrag F.I.A.M. 1924
Arbeitsvertrag Moglia 1923
Arbeitsvertrag Moglia 1923

Ab September 1923 - Mai 1924 arbeitete Beyer wieder bei einem anderen Motorradersteller als Werkstattmeister, der Firma F.I.A.M, welche auch DKW Motoren in Ihren Fahrzeugen verbaute.

Ende 1924 kehrte Beyer nach Bologna in Italien zurück und begann mit der Fertigung eigener Leichtmotorräder mit DKW Motor.

Es wurden 3 Motorradmodelle gefertigt:

  • Leichtmotorrad mit ca. 118 ccm und 1 PS
  • das Modell 1925 Typ K mit 130 ccm, ca. 1,5 PS, bezeichnet als Motorfahrrad
  • das Modell 1925 Typ W mit 170 ccm, ca. 3,5 PS, bezeichnet als Motorrad

Wie viele Fahrzeuge insgesamt gefertigt wurden und in welchem Umfang die Produktion stattfand, lässt sich leider nicht mehr nachvollziehen. Die Modelle der Beyer DKWs waren für die Zeit technisch und optisch gut konzipiert und sind als hochwertig anzusehen. Damals gab es in Bologna über 80 Leichtmotorrad- und Motorradhersteller.

Bis jetzt konnte kein Fahrzeug ausfindig gemacht werden, welches überlebt hat. 

 

Kurt Beyers Firmensitze in Bologna
Kurt Beyers Firmensitze in Bologna
Via della Certosa 3
Via della Certosa 3
Via Frassinago 11-13
Via Frassinago 11-13

1930 kehrte der erst 30-jährige Kurt Beyer nach Zschopau zurück.

Bis 1934 meldete er kurzzeitig eine Fahrrad- und Kraftfahrzeugreparaturwerkstatt in der Chemnitzer Gasse 26 in Zschopau an.

Ab 1934 betrieb er mit seinem Cousin Rudolf Mehner eine Tankstelle am heutigen Schwarzen Ross in Hohndorf. Er verlegte seinen Wohnsitz in die DKW Siedlung.

1938 Heiratete er und wurde 1940 zum Kriegsdienst eingezogen. Kurzzeitig war er in Polen stationiert, danach in Frankreich und wurde durch DKW wieder zurück ins Werk beordert.

Nach 1945 wurden Versuche mit dem Zschopauer Otto Vogel (Radio Vogel) & Hugo Ruppe (Erfinder und Konstrukteur des DKW Spielzeugmotors) mit Notstromaggregaten durchgeführt. Leider ohne wirtschaftlichen Erfolg. Glücklicherweise fand Beyer wieder eine Anstellung bei DKW in der Abteilung für den Bau von Rahmen für Rennmaschinen, mit Walter Winkler zusammen. 

Später führte Beyers Weg nach Ingolstadt und für kurze Zeit nach Düsseldorf. Von 1955 bis 1966 war er bei Mercedes (Westdeutschland) beschäftigt.

1971 verstarb der 71-Jährige Kurt Beyer in Nordrein-Westfalen. 

 

Vielen Dank an Mathias Meyer für die Zusammenstellung dieser Informationen und Fotos.

Tankstelle Schwarzes Roß Hohndorf
Tankstelle Schwarzes Roß Hohndorf
Tankstelle Schwarzes Roß Hohndorf
Tankstelle Schwarzes Roß Hohndorf